Ortsmitte Feldkirchen-Westerham

Neugestaltung der Ortsmitte mit Erweiterung der Gemeindebücherei
Bauherr: Gemeinde Feldkirchen-Westerham
Standort: Feldkirchen-Westerham (bei München)
Fläche | BGF: 1.955 qm
Status: Wettbewerb 1.Preis | 2018
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Idee und Ziele
Die Ortsmitte von Feldkirchen-Westerham wird durch den Anbau an die bestehende Bücherei und einem Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses komplettiert und neugestaltet. Der Anbau an die Bibliothek schafft durch den  sensiblen Umgang mit dem denkmalgeschützten Bestand, in Kombination mit einem einfachen Neubau, differenzierte und qualitätsvolle Innen- und Außenräume in der Ortsmitte ohne die Wegeverbindung und die Blickbeziehungen in der Ortsmitte zu beeinträchtigen.

Städtebau
Das denkmalgeschützte Bestandsgebäude, mit seiner städtebaulichen Position am Dorfplatz, bleibt in seinem Erscheinungsbild im Ortszentrum freigestellt und wird durch einen gläsernen Anbau auf der Nordseite ergänzt. Der Neubau des Wohn- und Geschäftshauses fügt sich in den vorhandenen Kontext als klarer, unaufgeregter Baukörper ein und greift die vorhandenen Typologien der Nachbargebäude auf. Der Baukörper steht bewusst traufständig zur Bücherei und vermittelt zwischen Dorfplatz und Friedhof. Es entsteht ein schlüssiges Gesamtensemble mit einer zeitgemäßen Gestaltung und einem qualitätsvollen Zusammenspiel aus Gebäude und Freiraum. Die bestehende Bücherei wird an der Nordseite durch einen gläsernen Baukörper ergänzt und funktional erweitert. Im Anbau befindet sich im Erdgeschoss ein offener und großzügiger Eingangsbereich mit Nebenräumen und die Anbindung an das Bestandsgebäude. Die Lesegalerie mit einem multifunktionalen Großraum im 1. Obergeschoss wird über einen Steg an das bestehende Treppenhaus angebunden. Die beiden Geschosse werden über einen Luftraum miteinander verbunden. Ein sensibler Umgang mit dem Denkmal ist maßgeblich für den Entwurf: die denkmalgeschützte Bibliothek bleibt in ihrem Erscheinungsbild auf allen Gebäudeseiten erhalten, alle vier Gebäudeecken bleiben unberührt und der Anbau mit einer Glasfuge ordnet sich durch die niedrigere Zweigeschossigkeit dem Denkmal unter. Ebenfalls bildet das neue Fassadenmaterial Glas mit Metalllamellen einen Kontrast zu der steinernen Lochfassade und gewährleistet die Ablesbarkeit der unterschiedlichen Bauzeiten. Der Durchgang zu Kirche und Friedhof bleibt über eine Passage im Erdgeschoss erhalten. Das gläsernen Gebäude, trennt und verbindet zugleich den Dorfplatz mit dem Friedhof. Der kompakte und klare Neubau des Wohn- und Geschäftshauses greift den Typus der vorhandenen Satteldachhäuser auf und interpretiert diesen in zeitgemäßer Gestalt. Im Erdgeschoss befinden sich Geschäftsräume und der Zugang zu den Wohnungen im 1. bis 3. Obergeschoss.

Fassade und Materialität
Die Fassade der Bücherei als Schmuckstück der Ortsmitte bleibt in seiner Putzstruktur und Farbigkeit erhalten. Das Erscheinungsbild wird nicht verändert. Der Anbau erhält, als Kontrast zum gemauerten Bestandshaus eine gläserne Fassade mit vertikaler Metall- oder Holzlattung. Im Übergangsbereich bleibt die Fuge gläsern um die Nordfassade der bestehenden Bücherei erlebbar und ablesbar zu lassen. Das Wohn- und Geschäftshaus nimmt das Fassadenmaterial Putz aus der Umgebung auf und wird zeitgemäß als z.B. Besenstrich ausgeführt. Die Schiebeläden erhalten die Materialität der vertikalen Lattung des Zwischenbaus.

Freianlagen
Der bestehende Dorfplatz bleibt erhalten, seine Gestaltungsprinzipien werden fortgesetzt. Durch die Fortführung des bestehenden Belags bis zum Platz um das alte Postgebäude wird eine durchgängige fußläufige Verbindung vom Parkplatz zur Gemeindebibliothek geschaffen. Durch die neue Gestaltungssprache entsteht ein gesamtfreiräumlicher Bezug zum Postgebäude. Unterstützung erfährt diese Verbindung durch einen mit Stauden begrünten Saum, welcher als Leitelement über den Platz bis zur erweiterten Gemeindebibliothek und den daran anschließenden Spielplatz verläuft. Dadurch entsteht um den Platz herum ein „grüner Rahmen“, welcher diesen optisch fasst.
Der Spielplatz wurde im Zuge der hochbaulichen Erweiterung vorsichtig neu strukturiert, jedoch sollen die bestehenden Spielgeräte weiterhin verwendet werden.